Anita Zielina: Welche Skills brauchen Führungskräfte jetzt?

Wie navigieren sich Medienhäuser in eine wirtschaftlich sichere Zukunft? Das geht nur mit den richtigen Führungskräften. Was die können müssen, hat sich in den letzten Jahren radikal geändert. Anita Zielina leitet an der Craig Newmark Graduate School of Journalism in New York Leadership-Programme, die Führungskräften aus der Branche Innovation und Transformation beibringen sollen. Im OMR Media-Podcast von Pia Frey spricht Anita Zielina unter anderem darüber, welche Kompetenzen in Zukunft immer wichtiger werden und wie sich Corona auf die (internationale) Medienlandschaft auswirken wird.

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Anita Zielina: Als Director of Strategic Initiatives an der Newmark J-School in New York City leitet und baut Anita Zielina Leadership-Programme auf. Diese sollen Führungskräften aus der Medienbranche helfen, Innovation und Transformation in ihren Unternehmen voranzutreiben, um sich so gut für die Zukunft aufzustellen. Im Executive Programm, ein gruppen-getriebenes Programm, dass ein Jahr dauert und größtenteils remote stattfindet, soll JournalistInnen und MedienmacherInnen zum Beispiel gezeigt werden, wie ihnen mit besseren Geschäfts- und Bezahlmodellen eine wirtschaftliche Transformation gelingt.

Warum brauchen Führungskräfte neue Kompetenzen im Vergleich zu früher? 

Es bedarf konkreter Strategien und Fachwissen, um sein Medium fit für das digitale Zeitalter zu machen. Diese Kompetenzen fehlen Führungskräften aus der Medienbranche häufig, weswegen sich es sich Anita Zielina zur Aufgabe gemacht hat, ihnen das Werkzeug für erfolgreiche digitale Strategien in die Hand zu legen. Im Zentrum stehen dabei die Aspekte Produktentwicklung, Technologie und Interdisziplinarität. Gerade auch der Austausch untereinander, welcher in der Branche oft nicht stattfindet, sei in einer sich verändernden Medienlandschaft notwendig und wird in Zukunft, so Anita Zielina, immer wichtiger werden.

Veränderungen durch Corona – Wer setzt sich durch, wer bleibt auf der Strecke?

Da sich die Situation nicht allzu bald lichten wird und weiter anhaltende Einbußen in der Vermarktung abzusehen sind, wird die Konkurrenz unter den Medien noch stärker anwachsen. Nicht jedes Haus wird diese Herausforderungen überstehen. Die wichtigsten Punkte, um die Lage zu meistern, seien Agilität und der Wille zur Veränderung. “Von außen kommend kann man kein Unternehmen verändern, das nicht die Bereitschaft, hat sich zu verändern”, so Zielina. Die größere Agilität und schnellere Anpassungsfähigkeit führe dazu, dass jüngere Unternehmen und lokale Medien besser durch die Krise kämen als großen Verlagshäuser.

“Von außen kommend kann man kein Unternehmen verändern, dass nicht die Bereitschaft hat sich zu verändern!”

Anita Zielina

Trotzdem wisse jeder in der Branche, dass nicht alle Medien auf Dauer überleben werden. Deshalb werde ein Punkt immer wichtiger: Kooperation. Was bisher, vor allem in Deutschland, nahezu als Tabu gegolten habe, wird in Zukunft immer normaler und essentieller werden, so Zielina. Dies reiche von Kollaborationen bis hin zu Verschmelzungen. Die jüngsten Gerüchte um eine Kollaboration der Vermarktungseinheiten bei SWMH und FAZ bestätigen die Annahme.

Verschmelzungen, Merging, Kollaborationen & Konsolidierungen: “Jeder spricht mit jedem” 

Inzwischen sei die Branche an einem Punkt, an dem “jeder mit jedem spricht” – Konkurrenzdenken und Abkapselung weichen Kooperationsbereitschaft. Diese Kooperationen finden zum Beispiel auf der Ebene von Infrastruktur, Vertrieb oder CMS statt. Dabei werde vielen Verlagen klar, dass “alles selbst machen” oft nicht zukunftsfähig ist – denn, einen gesamten Verlagsapperat zu erhalten ist teuer. In Bereichen wie der Produktentwicklung zusammen zu arbeiten könne sehr wertvoll sein, falle den meisten Medien aber eben auch nicht leicht. Auch vollständige Fusionen werden nicht zu umgehen sein. Davor gäbe es aber noch eine Option, die bisher viel zu selten wahrgenommen werde – Kollaboration auf internationalem Niveau, also über das Sprachspektrum hinausgehend. Diese Form der Zusammenarbeit biete den Vorteil, dass man nicht in direkter Konkurrenz stehe und sich nicht in die Quere kommt – daher wäre die Möglichkeit, Wissen zu teilen, deutlich einfacher wahrzunehmen, ohne seine direkte Konkurrenz zu stärken. Darüber hinaus sind die Herausforderungen, vor denen Verlagshäuser weltweit stehen, vergleichbar.

Pia FreyCo-Founder